"Mein neuer Job in der Seniorenresidenz Hennef."

Interview mit Uschi Baetz, Mitarbeiterin im Sozialtherapeutischen Dienst

Frau Baetz, in diesem Frühjahr können Sie Einjähriges im Kurhaus am Park feiern! Seit Mai 2020 gehören Sie zum Team des Sozialtherapeutischen Dienstes. Wie sind Sie damals empfangen worden?

UB: Sehr herzlich! Die Kolleg*innen aus meinem Team haben es mir wirklich einfach gemacht. Sie haben mich von Anfang an unterstützt - da bin ich bis heute noch sehr dankbar!

Können Sie sich noch an Dinge oder auch an Worte seitens der Kolleg*innen erinnern, die Ihnen bei typischen Anfangsschwierigkeiten geholfen haben?

UB: Mir wurde von allen Seiten immer wieder die Bereitschaft signalisiert, für Fragen zur Verfügung zu stehen. Und ich glaube, ich habe viel gefragt...

Bis man alle Abläufe kennengelernt hat, bis man weiß, welche liebgewonnenen Traditionen es im Haus gibt und wie man mit besonderen Gegebenheiten umgeht, dauert es ein Weilchen.

Gut erinnern kann ich mich an die Situation, als während meines Dienstes ein Bewohner seinen letzten Weg angetreten war. Ich saß in meiner Pause allein im Büro und musste das erst einmal verdauen. Eine Kollegin kam herein und hat das mit erfahrenem Blick sofort erkannt. Wir haben dann gemeinsam einen Kaffee getrunken und geredet. Das hat mir sehr geholfen.

Seit letztem Sommer sind Sie in der Wohngruppe Petersberg tätig. Was tun Sie dort? Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen dort aus? Was mögen Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Generell versuche ich - gemeinsam mit den Bewohner*innen - jeden Tag möglichst abwechslungsreich und attraktiv zu gestalten. Ich möchte, dass sich die Bewohner*innen wohl fühlen - wenn ich dazu beitragen kann - durch ein Gespräch, ein offenes Ohr oder ein Lächeln, freue ich mich!

Mein Dienst beginnt zumeist mit einer ersten Kontaktaufnahme mit den Bewohner*innen. Schon im Foyer oder auf dem Flur trifft man jemanden und erste kurze Gespräche entwickeln sich: Wie geht es? Wohin des Weges? Ist heute schon etwas Besonderes passiert? Wer kommt zu Besuch?

Manchmal verabreden wir uns dann für einen späteren Zeitpunkt für eine Einzelbetreuung: Man geht zusammen spazieren, rätselt oder liest vor, übernimmt „Bienchendienste“, um Wünsche oder Bedürfnisse zu erfüllen, schaut sich Familienfotos an oder hat einfach ein offenes Ohr für das, was einen Menschen gerade bewegt. Diese Zeit gehört einer Person allein und wird nach ihren ganz individuellen Vorlieben gestaltet.

Im Laufe des Dienstes besuche ich auch die Bewohner*innen, die ihr Zimmer oder Bett nicht mehr verlassen können. Aufmerksamkeit und Zuwendung sind gerade auch für sie von großer Bedeutung.

Außerdem unterstütze ich bei den Mahlzeiten, biete Gruppenangebote an, die entwickelt werden wollen, plane mit den Kolleginnen jahreszeitliche Aktionen und Gestaltungen des Wohnumfeldes und vieles mehr.

Die Dienste sind meist sehr abwechslungsreich und oftmals muss ich meine Pläne für den Tag ändern, da die aktuellen Befindlichkeiten und Entwicklungen dies erfordern. Flexibilität und ein gutes Empfinden für das, was gerade angesagt ist, sind sehr wichtig.

Was mir bisher besonders an meinem neuen Job gefallen hat?

Es macht mir Spaß aktiv zu sein - ganz gleich, ob ich mit dem Naschwägele unterwegs oder bei der Aktion „Currywurst & Fritten“ im Einsatz bin, auf imaginären Reisen in die Südsee einen Cocktail schlürfe oder mit Hacke und Gartenschere in den Beeten an der Gartenlaube beschäftigt bin: Wichtig dabei ist, dass die Bewohner*innen und deren Freude am Tun dabei im Mittelpunkt stehen. Ich schätze es sehr, wenn sich vertrauensvolle Gespräche entwickeln, dabei der Humor nicht zu kurz kommt und wenn es mir gelingt, den Wissensdurst und den Wunsch nach kleinen Herausforderungen zu stillen.

Gibt es Erlebnisse im Job, an die Sie sich gern erinnern?

U.B: Gern erinnere ich mich an den letzten Sommer, im grünen Wohnzimmer des Kurhauses, dem Kurpark. Spaziergänge durch die gepflegte Anlage, Enten- und Karpfen zählen am Teich und gesellige Kreuzworträtselrunden im Schatten der Bäume sind mir und hoffentlich auch den Bewohner*innen in bester Erinnerung. Ich hoffe, dass die Bewohner*innen und ich auch im kommenden Sommer dazu Gelegenheit haben werden.

Frau Baetz, bevor Sie im Kurhaus anfingen, haben Sie eine Fortbildung zur zusätzlichen Betreuungskraft gemacht. Davor haben Sie lange Jahre freiberuflich im Kulturbereich gearbeitet. Inwiefern hilft Ihnen diese Arbeit, bei Ihrem Job heute? Gibt es Erfahrungen aus ihrem „alten Job“, von denen Sie oder wir heute profitieren können?

U.B.: Ich habe in meiner bisherigen freiberuflichen Tätigkeit Angebote für Menschen mit Demenz in verschiedenen Museen im Köln-Bonner-Raum umgesetzt. Wir trafen uns bei Kaffee und Kuchen, haben anschließend gemeinsam eine Ausstellung besucht und uns im Gespräch und manchmal auch praktisch-kreativ mit den Werken und den Künstler*innen auseinandergesetzt.

Menschen mit Demenz haben einen ganz eigenen Blick auf die Dinge und teilen ihre Ansichten häufig sehr direkt und ungeschminkt mit. Auf diese Weise entwickelten sich oftmals sehr angeregte und witzige Unterhaltungen – eine Bereicherung für alle Beteiligten.

Auf diese Erfahrungen, die ich hierbei sammeln durfte, kann ich in meinem neuen Job zurückgreifen. Und bei dem ein oder anderen Gruppenangebot lasse ich gerne Wissen oder Erkenntnisse aus dem Kunst- und Kulturbereich einfließen. So können alle Seiten davon profitieren.

Auch zukünftig möchte ich diese Angebote, neben meiner Tätigkeit im Kurhaus, weiterführen. Vorausgesetzt, die Museen dürfen wieder öffnen und Senior*innen-Gruppen machen sich wieder auf den Weg.